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Ich habe mich während meines Studiums in Wien sehr wohl, gut integriert und von meinen Kollegen und Freunden aufgenommen gefühlt. Erst als ich die österreichische Migranten-Integrationsszene kennenlernte wurde mir klar, wie abgegrenzt und integrationsbedürftig wir Migranten sind. (Sarkasmus) Die Integrationspolitik, die vor allem von Migranten selbst betrieben wird, wirft für mich viele Fragen auf. Vor allem die Frage nach migrantischer Selbstwahrnehmung und die Präsens dessen nach außen.
Ekaterina Makarova

 

Politisches Ich: „Das sagst du nur weil ich Migrant bin!“?

 

Die Migration an sich ist ein komplexer psychologischer Prozess, der sich auf die Identität eines Individuums kurz und langfristig auswirkt. Vor allem ist dieser Prozess mit Verlusten verbunden. Man verliert die gewöhnliche Umgebung, Kultur, Speisen, Gerüche, Klänge, eigene Sprache und ein Stückchen eigener Identität. In den durch die Verpflanzung entstandenen Lücken wachsen Sehnsüchte und der Hunger nach neuen Identitätsanteilen, die der Version 2.0 des eigenen Selbst entsprechen sollen.

Man möge sich einen Transformer vorstellen, der sich ständig umgestaltet, in der Versuchung, die innere Realität mit der Außenwelt zu synchronisieren.

Die Identitätsbildung eines Menschen beginnt noch vor seiner Geburt und entwickelt sich sein ganzes Leben lang. Deswegen sind alle Menschen, wie auch jene die in Österreich geboren wurden, selbst mit der Suche nach der eigenen Identität konfrontiert. Niemand bringt uns bei, wie man als ein Türke oder ein Russe zu fühlen und in jeder Lebenssituation zu agieren hat. So wie es auch keine ausreichende Anleitung zum Österreicher-sein gibt.

Wir sind zur ständigen Suche nach der eigener Position auf der Landkarte des Daseins verdammt. Der einfachste Weg sich selbst zu erfassen ist, sich mit etwas zu identifizieren. Sich zu einer Farbe zu bekennen. Doch nur eine Farbe zu wählen, scheint uns heute unmöglich und rechtsextremistisch zu sein.

Aus diesem Grund stricken wir die Decke unseres Selbst aus hundert bunten Stückchen, die wir aus verschiedenen Kulturen, Phantasien, Schichten, Klischees und Identifizierungen zusammen basteln. Und am Ende des Tages sind wir uns selbst fremd.

Das Individuum erschafft seine eigene Realität und die äußere Realität ist das Spiegelbild unserer inneren Realität. Und jetzt frage ich mich, was für eine Realität erschaffen wir Migranten für uns? In der äußeren – der Migrationsszene — wird ständig über die Diversity gesprochen. Über das anderes sein. Fremd sein.

Wird die Gesellschaft als eine Übertragungsfläche für unsere eigene Identitätsverwirrungen, das Fremde im Inneren der Inländer und das Fremde im äußeren der Migranten benützt? Erschaffen wir selbst das Bild der Fremden in der Gesellschaft, weil wir uns selbst fremd sind? Ist die heutige Migrationspolitik die von den Migranten betrieben wird, ein Versuch sich selbst zu entfremden und die Identitätsverwirrungen im Inneren zu mildern?

Durch die Erschaffung des „Fremden-Bildes“, der Betonung des „anders seins“, und „bestimmte, andere Bedürfnisse zu haben“ in der Migrationspolitik, entfernen wir uns selbst von der Vollkommenheit der vielfältigen, individuellen Gesellschaft. Die zahlreichen Versuche die Migranten auf beinahe penetrante Art und Weise in die österreichische Gesellschaft zu integrieren, trennt die Gesellschaft weiterhin in zwei Fronten.

Natürlich gibt es Themen, vor allem in sozialen Bereichen, die angesprochen werden müssen. Um eine gesunde vielfältige Gesellschaft zu bilden wäre es, meiner Meinung nach notwendig, von Gemeinsamkeiten und nicht von „Fremdkörpern“ und „Andersartigkeit“ zu sprechen. Der Weg zur Heilung ist die Integration aller intrapsychischer Objekte, die zu einer Persönlichkeit dazu gehören. Das Mittel dafür ist die Neugier und die Bereitschaft, sich mit sich selbst auseinander zu setzen, Trauerarbeit für die entstandenen Löcher zu leisten, sowie für die eigene Entwicklung die Verantwortung zu übernehmen. Auf Grund, dass wir uns selbst unsere Realität erschaffen, sind auch wir die Schöpfer der Hinderungen und Grenzen dieser Realität.

3 Responses to “Fühlt man sich fremd, weil man sich selbst fremd ist oder warum sprechen wir von Diversität wenn wir über die Gemeinsamkeiten sprechen könnten.”

  1. Thomas Heindl

    Im Grunde stimme ich dir zu. Allerdings ist die Konklusion dieser Ansicht folgende:

    «Erschaffen wir selbst das Bild der Fremden in der Gesellschaft, weil wir uns selbst fremd sind? » — Natürlich! — in deiner selbst erschaffenen Realität. Wenn du dich entfremdet fühlst, und um Identitäts-Verluste trauerst, dann ist das die immanente Interpretation deiner transzendenten Identität. Dieses Gefühl allerdings auf alle anderen Migranten zu übertragen, ist ebenfalls eine Entscheidung, eine Realitätsgestaltung die du selbst wählst. Im Interaktiven Multiversum existieren alle möglichen Standpunkte zu diesem Thema.

    Jeder braucht und sucht den Konsens, weil alles und jeder nach Zusammengehörigkeit, nach Einheit strebt (Immanenz/Transzendenz=Identität) — egal ob Migranten oder Nicht-Migranten.

    Übrigens lässt sich dieses Dilemma ganz einfach überwinden (um den Gedanken, R.B. Fullers, http://www.irwish.de/PDF/Fuller%20-%20Raumschiff%20Erde.pdf zu folgen): Sehen wir uns als Erdbewohner, nicht als Staatenbürger — so kann die Entfremdung nicht mehr Ergebnis von «Migration» sein (da sie nicht existiert), vielleicht würden deine Emotionen deine Identität aber immer noch prägen…

    Es ist also letztlich deine gestalterische Entscheidung, wie du die Situation wahrnimmst, und wie sie dein Selbst beeinflusst.

    Beste Grüße,

    Thomas Heindl

    • Duarte

      Ich vermute mal, dadf 95% der beoeefftnrn Deutschen dies nicht weidf, dies nicht zur Kenntnis nehmen will, oder mangels Kindern dies egal ist.Was aber passiert, wenn sich 2030 die nachwachsende minimalisierte Generation der Deutschen ganz demokkratisch fcberstimmt sieht und plf6tzlich Deutschland nichts mehr mit Deutschland zu tun hat? Politiker von heute wissen bzw. ahnen das sehr genau. Nicht ohne Grund wird seit Jahrzehnten das Volk buchste4blich entwaffnet. Es wird eine Frage der Zeit sein, bis auch der letzte Schfctzenverein schlicht verboten wird. Vorsorge ist alles.

  2. admin

    Lieber Thomas, vielen Dank für deinen tollen Kommentar!

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